Pilze – verborgene Netze, fliegende Sporen

Pilze sind weder Tiere noch Pflanzen. Heute kennen wir über 100 000 Pilzarten. Doch Forscher:innen gehen davon aus, dass es mehr als fünf Millionen Arten gibt, von denen die meisten noch nicht entdeckt wurden.
Pilze im Wald

Wo leben Pilze?

Pilze gibt es auf der ganzen Welt. Sie bewohnen Wälder, Wiesen, Gärten, Häuser, Wüsten, Steine, heisse Quellen, Eis sowie die Tiefsee. Manche sind sogar im Darm von Käfern oder auf der Haut von Tieren und Menschen zu finden.

 

Hefepilz

Essbarer Schimmel

Pilze kennen wir auch als Lebensmittel, etwa Champignons oder Steinpilze. Fleischersatzprodukte wie Quorn sind ebenfalls aus einem winzigen Pilz hergestellt.

In der Küche begegnen uns ausserdem Schimmelpilze. Sie wachsen besonders gut, wo es feucht ist, zum Beispiel auf Früchten oder Brot. Manche Schimmelpilze bilden Giftstoffe und einige können unserer Gesundheit schaden. Es gibt aber auch Schimmelpilze, die wir bewusst verwenden, um Lebensmittel herzustellen, etwa den Käse Camembert.

Auch Hefe gehört zu den Pilzen. Sie sorgt dafür, dass der Brotteig luftig und weich wird.

Zudem helfen manche Pilze, Medikamente wie Antibiotika herzustellen

Ästiger Stachelbart

Pilze in allen Formen und Farben

Wenn du an einen Pilz denkst, hast du wahrscheinlich die typische Form mit Hut und Stiel vor Augen. Tatsächlich sehen viele Pilze so aus. Ihre Hüte können kegelförmig, gewölbt oder abgeflacht sowie trocken, schuppig, seidig oder fettig sein.

Doch Pilze kommen in vielen unterschiedlichen Formen vor. Manche bilden keinen Hut und keinen Stiel, wie etwa der Ästige Stachelbart auf dem Foto. Andere sind so klein, dass wir sie kaum bemerken, zum Beispiel der Schimmelpilz.

Ausserdem gibt es Pilze in fast allen Farben: von unscheinbarem Hellbraun bis zum knalligen Blau:

Scharlachroter Kelchbecherling
Papageigrüner Saftling
Gelber Faltenschirmling
Blauer Rindenpilz
Violetter Lacktrichterling
Klebriger Hörnling
Hyphen

Verborgenes Netzwerk

Was du vom Pilz siehst, ist nur sein Fruchtkörper. Im Boden verborgen befindet sich das Pilzgeflecht. Man nennt es auch Myzel. Es besteht aus weissen oder farbigen Fäden, den sogenannten Hyphen. Sie sind dünner als unsere Kopfhaare. Das Pilzgeflecht bildet den grössten Teil des Pilzes. Es kann tausende Kilometer lang sein.

Lamellen

Wo Pilze ihre Sporen bilden

Die Fruchtkörper der Pilze bilden an der Aussenseite oder im Inneren winzige Fortpflanzungskörper, die Sporen. Einige Pilze tragen Hüte mit feinen Lamellen an der Unterseite. Sie sehen aus wie Rippen oder ein Fächer. In diesen Lamellen entstehen die Sporen.

Pilze

Mit dem Wind fortgetragen

Pilze setzen ihre Sporen auf unterschiedliche Weise frei, um sie zu verbreiten. Der Wind trägt die meisten Sporen fort. Wenn sie an einem geeigneten Ort landen, keimen sie, und es wächst ein neuer Pilz. Kleine Insekten fressen die Sporen, die nicht keimen.

Gemeine Stinkmorchel

Was stinkt hier so?

Manche Pilze wie die Gemeine Stinkmorchel locken mit ihrem starken Duft Insekten an. Diese fressen die Sporen des Pilzes und scheiden sie unverdaut wieder aus. So wachsen neue Pilze. Viele Sporen bleiben auch an den Füssen der Insekten haften und verbreiten sich so.

Gemeine Kugelschneller

Sporen-Kanone

Andere Pilze verbreiten ihre Sporen aus eigener Kraft, etwa der Gemeine Kugelschneller. Er schiesst Sporenkugeln aus seinem Fruchtkörper heraus. Die Kugel ist kleiner als ein Millimeter, kann aber bis zu sechs Meter weit fliegen.

Pilze im Wald

Wie ernähren sich Pilze?

Alle Lebewesen brauchen Energie, um zu wachsen, sich zu vermehren und am Leben zu bleiben. Pilze holen sich ihre Nährstoffe, indem sie Streu und Holz zersetzen oder auf Pflanzen, Tieren oder sogar auf anderen Pilzen als Parasiten leben. Ein Parasit ist ein Lebewesen, das auf oder in einem anderen Lebewesen lebt und ihm Nährstoffe entzieht. Aus den aufgenommenen Nährstoffen gewinnen Pilze die Energie, die sie zum Leben brauchen.

Gallen-Röhrling

Eine Partnerschaft unter der Erde

Viele Pilze leben auch in einer Gemeinschaft (Symbiose) mit Pflanzen, am häufigsten mit Bäumen. Dabei verbindet sich das Myzel des Pilzes mit den feinen Wurzelspitzen der Pflanze und umhüllt sie mit einem dichten Pilzgeflecht. Es entsteht ein gemeinsames Gewebe, die sogenannte «Pilzwurzel». Dank ihr ist es Pflanze und Pilz möglich, Nährstoffe aufzunehmen und auszutauschen.

Die Pflanze liefert dem Pilz Zuckerstoffe, die er selbst nicht herstellen kann. Im Gegenzug versorgt der Pilz die Pflanze mit Wasser und Mineralstoffen aus dem Boden.