Rostrote Federn, gelber Kopf und nackter Hals

Geier fressen vor allem tote Tiere. Darum sind diese dank den Geiern schnell aus der Landschaft verschwunden, und es verbreiten sich weniger Krankheiten. In Europa brüten vier Geierarten: Bartgeier, Mönchsgeier, Gänsegeier und Schmutzgeier. In der Schweiz brütet nur der Bartgeier.

Viele Geier haben an Kopf und Hals nur wenige Federn. Da sie frische tote Tiere fressen, ist ihre Nahrung oft blutig. Dank dem nackten Hals verkleben die Federn nicht. Beim Bartgeier ist das anders, da er sich vor allem von Knochen ernährt.

Mehr über Bartgeier erfährst du hier.

Junge Bartgeier sind anfangs dunkelbraun. Mit etwa vier Jahren werden die Federn an Kopf, Brust und Bauch weiss. In diesem Alter suchen Bartgeier spezielle Wasserstellen, um sich die Federn orange-rot zu färben. Der Schlamm in diesen Pfützen ist rot, weil er Eisen enthält.
Unter dem Schnabel haben Bartgeier borstenartige Federn, die wie ein Bart aussehen. Ihre Augen sind von einem roten Ring aus Knochen umgeben. Wenn ein Bartgeier sich gestresst fühlt oder aufgeregt ist, wird der Ring röter.

Warum färben sich Bartgeier ihre Federn?

Das ist bis heute nicht ganz geklärt. Forscher:innen haben für das Verhalten unterschiedliche Erklärungen: Bartgeier fressen tote Tiere, und diese können Krankheiten übertragen. Möglicherweise schützen Rost-Bäder davor, und vielleicht schützen sie zugleich die Jungen in den Eiern: Beim Brüten bedecken Bartgeier die Eier mit ihren gefärbten Federn.

Eine weitere Erklärung ist, dass die die rostroten Federn ein Signal für andere Bartgeier sind. Die rostroten Federn könnten ihnen zeigen, dass der Bartgeier kräftig und gesund ist. So hat er womöglich einen Vorteil bei der Partnersuche und andere Bartgeier trauen sich nicht, ihm die Nahrung wegzunehmen.

Der Mönchsgeier brütet zwar nicht in der Schweiz, im Sommer lässt er sich aber immer häufiger blicken. Er ist der grösste und schwerste Geier in Europa. Besonders auffällig ist seine Halskrause. Sie erinnert an das Gewand eines Mönches – so ist der Mönchsgeier zu seinem deutschen Namen gekommen.

Mönchsgeier brüten meistens auf einem grossen Baum.
Sie ernähren sich vor allem von toten Tieren, zum Beispiel von Kaninchen, Rotfüchsen, Igeln, Hirschen, Rehen, Schafen und Ziegen.

In den Schweizer Alpen ist der Gänsegeier nur zwischen April und Oktober zu Gast. Obwohl der Bartgeier in der Schweiz brütet, sieht man im Sommer manchmal sogar häufiger Gänsegeier als Bartgeier. Meist handelt es sich um Gänsegeier, die in Frankreich zur Welt gekommen sind.

An Kopf und Hals haben Gänsegeier nur wenige Federn. Oft sind sie in Gruppen unterwegs, und sie brüten auch gemeinsam in Felswänden.
In Europa fressen Gänsegeier vor allem tote Nutztiere, zum Beispiel Schafe. Aber auch tote Wildtiere gehören zu ihrer Nahrung, etwa Steinbock, Gämse, Rothirsch und Reh.

Der Schmutzgeier ist der kleinste Geier in Europa, und er ist am stärksten bedroht. In der Schweiz sieht man ihn nur selten. Sein besonderes Merkmal ist das gelbe Gesicht, an dem er keine Federn hat. Ein knalliges Gelb hilft ihm bei der Partnersuche. Denn es zeigt, dass der Schmutzgeier gesund und kräftig ist.

Wie bekommt der Schmutzgeier sein gelbes Gesicht?

Schmutzgeier fressen alles Mögliche: tote Tiere, Abfall und Insekten, aber auch Eier und Kot. In Eiern und im Kot von Huftieren gibt es bestimmte Farbstoffe. Sie bewirken, dass der Schmutzgeier ein gelbes Gesicht bekommt.

Der Schmutzgeier ist der einzige Geier der Welt, der Werkzeuge nutzt. So knackt er etwa die harte Schale von Strausseneiern mit einem Stein.
Unter den europäischen Geiern ist der Schmutzgeier der einzige Zugvogel. Er fliegt im Herbst in verschiedene afrikanische Länder und kehrt im Frühling nach Europa zurück, um zu brüten.