Der Bartgeier gilt als grösster Vogel der Alpen. Früher nannten die Menschen ihn «Lämmergeier», weil sie glaubten, er würde junge Schafe oder gar Kinder rauben. Das stimmt überhaupt nicht, denn Bartgeier können weder ein Lamm noch ein Kind tragen. Ausserdem fressen sie nur Aas, also tote Tiere, und davon vor allem die Knochen.

Steckbrief

Grösse

Etwa 1.20 Meter (Kopf bis Schwanzspitze); Flügelspannweite bis 2.9 Meter

Gewicht

Bis 7 Kilogramm

Alter

Bis 40 Jahre

Nahrung

Knochen, tote Tiere

Lebensraum

Gebirge in Asien, Afrika und Europa, auch in den Schweizer Alpen

Spezielles

Bartgeier färben ihre Federn an Kopf, Hals und Brust in Tümpeln, die Eisen enthalten. So werden sie orange-rot.

Bedrohung

Vergiftete Nahrung, Lebensraumverlust, Zusammenstösse mit Stromleitungen, Störungen beim Brüten

Lebensraum

Bartgeier haben ihr Nest (Horst) meist oberhalb der Baumgrenze in felsigen Gebieten. Da sie keine Tiere töten, brauchen sie Lebensräume, in denen viele Steinböcke, Gämsen und andere Huftiere leben. Nur hier sterben genügend Tiere an Krankheiten, verhungern oder verunfallen, sodass die Bartgeier genügend Futter finden. Oft fliegen Bartgeier tief, da sie ihre Beutetiere über den Sehsinn suchen.

Nahrung

Bartgeier jagen ihre Beutetiere nicht selber, sondern ernähren sich von toten Tieren, vor allem aber von deren Knochen. In ihrem Magen haben sie saure Säfte. Darin lösen sich die Knochen vollständig auf. Da ihre Speiseröhre dehnbar ist, können sie Knochen verschlingen, die fast so lang sind wie ein Massstab.

Ist einem Bartgeier ein Knochen zu gross, trägt er ihn zu einer Stelle mit Geröll und Felsblöcken. Bei diesen sogenannten «Knochenschmieden» lässt er den Knochen aus 50 bis 80 Metern Höhe fallen, sodass er zersplittert. Manchmal tut er das mehrmals, bis die Stücke in seinen Schnabel passen.

Bartgeier frisst Knochen

Zusammenleben

Mit etwa acht Monaten verlässt der junge Bartgeier das Gebiet seiner Eltern. Oft unternimmt er dann weite Streifzüge, bis er sich für ein eigenes Gebiet entscheidet. Es liegt häufig in der Nähe des Orts, wo er zur Welt gekommen ist.

Bartgeier paaren sich erst etwa ab fünf Jahren. Das Paar bleibt häufig lebenslang zusammen und verteidigt sein Gebiet gegen andere Bartgeier.

Zwei Bartgeier in einem Nest

Nachwuchs

Bartgeier bauen ihr Nest vor allem in Nischen und Höhlen von Felswänden. Sie polstern es mit Gras, Ästen, Schafwolle oder Resten von Tierfellen.

Bartgeier-Eltern brüten gemeinsam. Die Jungen schlüpfen gegen Ende des Winters. Dann gibt es für die Bartgeier auch am meisten Nahrung, da viele Wildtiere den Winter nicht überlebt haben.

Das Weibchen legt jeweils zwei Eier, obwohl die Eltern nur ein Küken aufziehen können. Das jüngere Küken stirbt nach wenigen Tagen, weil ihm das ältere Küken das Futter wegnimmt. Das zweite Ei ist als Ersatz gedacht, falls das erste Küken stirbt. Für zwei Küken würden die Eltern nicht genügend Nahrung finden.

Mit ungefähr vier Monaten machen junge Bartgeier ihre ersten Flüge.

Bartgeier mit Wolle für sein Nest

Bedrohung

Früher hatten die Menschen Angst vor Bartgeiern. Vor über 100 Jahren haben sie die Vögel in den Alpen ausgerottet.

Inzwischen sind die Bartgeier zurückgekehrt, doch noch immer sind sie Gefahren ausgesetzt. Die Vögel sterben häufig an Vergiftungen, etwa, weil sie Giftköder fressen oder Tiere, die mit Bleimunition geschossen wurden.

Ausserdem können Bartgeier in Stromleitungen geraten. Und werden sie von Menschen beim Brüten gestört, können die Jungen sterben.

Fliegender Bartgeier

Das macht
der WWF

Der Bartgeier war über längere Zeit in den Alpen ausgestorben. Der WWF hilft seit den 1970er-Jahren mit, die Bartgeier wiederanzusiedeln.

 

Das kannst du tun

  • Es hilft allen Alpentieren, wenn du dich in den Bergen an die Regeln hältst, auf den Wegen bleibst und deinen Abfall nicht liegen lässt.
  • Halte in der Schule einen Vortrag über die Bartgeier und begeistere auch deine Mitschüler:innen für diesen Vogel, der lange falsch verstanden wurde.
  • Organisiere eine Standaktion. Das dabei verdiente Geld kannst du dem WWF spenden. Der WWF unterstützt damit Projekte, die auch den Bartgeiern helfen.