Ein Jahr mit den Erdhummeln

Die Frühlingssonne zeigt sich, es ist ein warmer Tag im März. Im Waldboden regt sich etwas: Aus einem Haufen mit lockerer Erde krabbelt eine Erdhummel. Es ist eine Königin, die gerade aus dem Winterschlaf erwacht ist.

Nektar gibt Kraft

Bereits vor ihrem Winterschlaf hat sich die Königin mit einem Hummelmännchen gepaart. Nach acht Monaten unter der Erde muss sie wieder zu Kräften kommen, um zu brüten. Sie saugt Nektar aus den Blüten und frisst und sammelt Blütenstaub.

Nest im Boden

In einem verlassenen Mauseloch baut die Hummelkönigin ihr Nest. Wichtig ist, dass in der Nähe Blumen wachsen, die früh im Jahr blühen. So kann die Hummelkönigin schnell Nektar holen, während sie die Eier ausbrütet. Ihr Nest polstert sie mit Federn, Haaren, Gras und getrocknetem Moos.

 

Naschen aus dem Honigtopf

Wie Honigbienen können Hummeln Wachs herstellen. Sie bauen damit aber keine Waben, sondern ein kleines Töpfchen. Hummeln haben einen sogenannten Honigmagen, in dem sie den gesammelten Nektar aufbewahren. Darin wird er zu Honig.

Die Königin spuckt jetzt den Honig aus und füllt ihn in ihren Topf. Aus ihm wird sie fressen, während sie brütet.

Entwicklung einer Erdhummel

Blütenstaubkugeln für die Eier

Aus dem Blütenstaub formt die Hummel eine Kugel, umhüllt sie mit Wachs und macht ein Loch hinein. Darin legt sie die Eier und verschliesst das Loch mit Wachs.

Schliesslich setzt sie sich auf die Kugel, um zu brüten. Damit die Eier warm bleiben, macht die Hummelkönigin mit ihrem Körper schnelle Zitterbewegungen. Das ist anstrengend, deshalb frisst die Hummel viel Honig aus dem Topf. Sobald er leer ist, holt die Königin wieder Nektar von den Blüten. Sie muss sich beeilen, sonst kühlen die Eier ab.

Entwicklung einer Erdhummel

Gefrässige Kinder

Nach etwa vier Tagen schlüpfen winzige Larven aus den Eiern. Sie fressen von der Pollenkugel, und die Hummelkönigin sorgt dafür, dass sie gross genug bleibt. Immer wieder fliegt die Hummel raus und holt Blütenstaub.

Die Larven stossen ihre Haut drei Mal ab, denn die Haut wächst nicht mit und wird ihnen zu klein.

Entwicklung einer Erdhummel

Larven und Puppen

Dank Drüsen in ihrem Maul können Hummellarven Seide spinnen. Sie packen sich in eine Seidenhülle ein, in einen sogenannten Kokon. Danach werfen sie ihre Haut noch einmal ab.

Anschliessend verwandeln sich die Larven in Puppen. So nennt man die gelblich-weissen Wesen, die bereits Beine, Kopf, Fühler, Augen und Saugrüssel haben wie eine Hummel.

Entwicklung einer Erdhummel

Hummeln in Weiss

Nach zwei Wochen ist es so weit: Die Puppen haben sich zu richtigen Hummeln entwickelt. Und die wollen raus. Sie befreien sich von ihrer Hülle und krabbeln ins Nest.

Inzwischen legt die Hummelkönigin weitere Eier. Alle Hummeln, die jetzt schlüpfen, sind Weibchen. Sie sind aber kleiner als die Königin. Man nennt diese Weibchen Arbeiterinnen. In den ersten Tagen sind sie noch weiss, und ihre Flügel sind zerknittert.

Entwicklung einer Erdhummel

An die Arbeit

Nun muss sich die Königin nicht mehr allein um alles kümmern. Die Arbeiterinnen pflegen die Eier, halten sie warm und formen Honigtöpfchen aus Wachs.

Sobald die ersten Arbeiterinnen ihre Hummelfarbe bekommen haben, fliegen sie raus, um Pollen und Nektar zu sammeln. Ab dann bleibt die Königin nur noch im Nest. Die Arbeiterinnen füttern auch sie.

Im Juli ist das Nest so gross, dass mehrere hundert Arbeiterinnen darin Platz haben. Manchmal sind die Nester auch kleiner. Jetzt macht die Königin etwas Erstaunliches: Sie legt nur noch Eier, aus denen Männchen und junge Königinnen schlüpfen.

Entwicklung einer Erdhummel

Drohne für einen Sommer

Die Hummelmännchen heissen Drohnen. Sie fliegen nicht weit. Oft sitzen sie in Gruppen auf Blumen mit grossen Blüten, zum Beispiel auf Disteln. Drohnen leben nur einen Sommer lang. Ihre einzige Aufgabe ist es, sich mit den jungen Königinnen zu paaren.

Entwicklung einer Erdhummel

Es geht zu Ende

Hummeln werden nicht alt. Unsere Hummelkönigin ist etwa einjährig, wenn sie stirbt. Auch die Arbeiterinnen sterben nach und nach. So kommt immer weniger Futter ins Nest. Im September gibt es dort bald keine Hummel mehr.

Entwicklung einer Erdhummel

Im Dornröschenschlaf

Nur die jungen Hummelköniginnen überleben. Gleich nach der Paarung suchen sie sich einen Unterschlupf für den Winterschlaf. Je nach Hummelart ist das im Juli, August oder sogar schon im Juni.

Meistens überwintern die Hummelköniginnen wenige Zentimeter unter dem Boden. Bald fallen die Blätter von den Bäumen, der erste Schnee fällt. Unter der Erde schläft die Hummel. Es dauert noch lange, bis die ersten Blumen wieder blühen.