Bald mehr Plastik als Fische im Meer?

Die Meere bedecken mehr als zwei Drittel unserer Erde. Sie liefern Nahrung, beeinflussen das Klima und stellen Sauerstoff her, den Tiere und Menschen zum Atmen brauchen. Die Meere sind ein lebenswichtiger Ort für Tiere und Pflanzen und auch für uns Menschen. Doch die Meere sind bedroht. Eine der grössten Gefahren ist der Plastikmüll.
Plastiksack im Meer

86 Millionen Tonnen

Mindestens 86 Millionen Tonnen Plastik schwimmen in unseren Ozeanen. Das ist das Gewicht von ungefähr 8’500 Eiffeltürmen, und jedes Jahr kommt mehr Plastikmüll dazu. Im Mittelmeer gibt es besonders viel Plastik. Wenn sich nichts ändert, wird es im Jahr 2050 mehr Plastik als Fische im Meer haben.

Menschen haben sogar Plastik im Marianengraben gefunden, dem tiefsten Punkt im Meer sowie in der Antarktis, dem abgelegenen und nicht vom Menschen bewohnten Eiskontintent rund um den Südpol.

Ungeschützte Müllkippe in Vietnam

Wie gelangt Plastikmüll in unsere Meere?

Der grösste Teil des Plastikmülls im Meer stammt vom Land. In vielen Ländern gibt es kaum Müllabfuhren, Kehrrichtverbrennungsanlagen oder Möglichkeiten, Abfall zu trennen. Plastik und anderer Müll landet auf grossen, ungeschützten Müllhalden oder wird direkt in der Natur entsorgt. Über Flüsse, Wind und Regen gelangt ein grosser Teil dieses Mülls ins Meer.

Daneben gelangt viel Müll über Schiffe ins Meer, denn das Schiffspersonal kippt Abfälle ins Wasser, obwohl das verboten ist. Zudem verlieren Fischer:innen ihre Netze oder werfen kaputte Netze über Bord. In diesen Netzen verheddern sich Wale, Delfine und andere Meerestiere. Solche Netze nennt man Geisternetze.

Meeresschildkröte verheddert in Fischernetz
Mikroplastik

Das Problem mit dem Plastik

Anders als natürliche Materialien baut sich Plastik in der Natur nicht ab. Es dauert Hunderte oder sogar Tausende Jahre, bis sich Plastik völlig zersetzt. Er zerfällt in immer kleinere Teile. Wenn er so gross ist wie eine Erbse oder noch kleiner, spricht man von Mikroplastik.

Mikroplastik ist heute fast überall in der Natur zu finden und lässt sich kaum wieder entfernen. In der Natur nehmen viele Tiere Mikroplastik über die Nahrung auf. Auch in unsere Körper gelangt Mikroplastik über Nahrungsmittel wie Meeresfrüchte, Meersalz und Mineralwasser sowie über die Atmung. Und zwar ganz schön viel: Eine Studie hat gezeigt, dass wir pro Woche etwa fünf Gramm Mikroplastik aufnehmen – das ist so viel wie eine Kreditkarte!

Meeresschildkröte verwechselt Plastiksack mit Nahrung

Gefahren für Meerestiere

Viele Tiere wie Wale, Meeresschildköten und Fische fressen Plastik, weil sie ihn mit Nahrung verwechseln. Die Plastikteile bleiben ihnen im Hals stecken oder verstopfen den Magen. Die Tiere können dann nicht mehr richtig fressen oder atmen. Sie ersticken, verletzen sich oder verhungern. Forscher:innen haben bei über 240 Meerestierarten Plastikmüll im Magen gefunden.

Meerestiere verheddern sich auch in Plastik. Sie können sich nicht mehr bewegen und sterben oftmals, weil sie ersticken oder ertrinken.

Nördlicher Seebär

Seepferdchen verheddert in einem Plastiksack

Plastiksack verfangen in einer Koralle

Gefahren für Korallenriffe

Für Korallenriffe sind Plastikabfälle ebenfalls gefährlich. Von Geisternetzen umfangen und von Plastikfolien bedeckt, erhalten Korallenriffe nicht genug Licht und Nährstoffe und sterben ab.

Abfall an den Küsten der Philippinen

Das macht der WWF

Der WWF sucht in mehreren Ländern gemeinsam mit Firmen, Regierungen und den Menschen vor Ort nach Lösungen, um die Plastikverschmutzung zu stoppen. 2018 hat er das Projekt «Plastic Smart Cities» gestartet. Das heisst auf Deutsch ungefähr «plastikschlaue Städte». Ziel ist, dass in diesen Städten bis im Jahr 2030 weniger Plastik ins Meer gelangt. Weltweit machen bereits 80 Städte mit, darunter auch welche in unserer Nähe wie Paris oder Venedig.

Um eine «Plastic Smart City» zu werden, verpflichten sich Städte, etwas zu tun, damit weniger Plastik in die Natur gelangt. Sie entscheiden sich zum Beispiel dafür, Abfallbehälter aufzustellen, Einwegplastik zu verbieten oder Zentren aufzubauen, um den Abfall wiederzuverwerten. Andere Städte überlegen sich, was sich im Tourismus verbessern lässt oder unterstützen neue Ideen, um das Plastikproblem zu lösen.

Das Beispiel Donsol

Donsol ist eine Stadt auf den Philippinen. Sie war eine der ersten «Plastic Smart Cities». Das Plastikproblem ist in Donsol besonders gross: Viele Tourist:innen kommen hierher, um Walhaie zu beobachten. Der Tourismus brachte mehr Geld, mehr Konsum und damit mehr Müll. Die Abfallentsorgung der Stadt kam damit nicht mehr klar.

Der WWF hat mit Studierenden und Umweltgruppen aus der Gegend die Abfallentsorgung genau studiert und einen Wettbewerb organisiert, um Lösungen zu finden. Zahlreiche gute Ideen sind zusammengekommen. Mehrere Frauen haben sich beispielsweise zusammengetan, um Stoff-Walhaie zu nähen, die mit gesäuberten Plastikschnitzeln gefüllt sind. Sie verkaufen die Walhaie als Souvenirs an Tourist:innen.

Stoff-Walhaie

Bei einem anderen Projekt fahren die Leute mit
Mofas in Quartiere, die schwer erreichbar
sind. Sie sammeln dort den Müll und bringen ihn zur grossen Abfallsammelstelle. Der WWF hat zusätzlich in den Quartieren Müllsammel- und -trennstationen aufgestellt, damit die Quartierbewohner:innen dort ihren Abfall entsorgen können. Nun freuen sie sich wieder über saubere Luft, weil sie ihren Müll nicht mehr verbrennen müssen.

Müllsammel- und -trennstation
Geisternetz

Zudem setzt sich der WWF dafür ein, dass es für Schiffe Müllsammelstellen gibt. So landet weniger Abfall im Meer. An vielen Küsten arbeitet der WWF mit Fischer:innen, Taucher:innen und Touristenführer:innen zusammen, um alte, verloren gegangene Fischernetze aus dem Meer zu holen.

Kinder, die Abfall sammeln

Das kannst du tun

Auch bei uns in der Schweiz landet leider viel Abfall in der Natur. Von dort gelangt er in Flüsse, manchmal bis ins Meer. So oder so: Abfall gehört weder auf die Strasse noch in Wald, Wiese und Wasser. Möchtest du mithelfen, die Natur sauber zu halten? Dann organisier zusammen mit Freund:innen oder Familie einen Nachmittag, um gemeinsam Abfall zu sammeln. Hier erfährst du mehr über den Abfallsammeltag.